Transgender-Superhelden

Hurra, endlich wieder Festwochen schamloser Kultur! Ein Gespräch mit den Festivalmachern

Lexikon | Interview: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014


Foto: Ian Harvie

Foto: Ian Harvie

Eine angebissene Banane ist das neue Logo der Festwochen schamloser Kultur (FSK), die heuer zum dritten Mal stattfinden und in der Nachfolge von „Wien ist andersrum“ stehen. Schon für das legendäre queere Kulturfestival haben Gisa Fellerer und Benno Döller – als Assistentin der künstlerischen Leitung beziehungsweise als Werber – gearbeitet. FSK organisieren die beiden „aus einer Leidenschaft heraus“. Übrigens ohne Subventionen und auf volles Risiko. Beim Interview im FSK-Hauptquartier auf der Wieden erzählen die beiden, wie’s heuer wird.

Falter: FSK oder Festwochen schamloser Kultur – was war zuerst da, die Abkürzung oder der Titel?

Benno Döller: FSK heißt ja „Freiwillige Selbstkontrolle“. Wir waren der Meinung, dass wir uns nicht mehr wie bei „Wien ist andersrum“ positionieren müssen. Das Hausfrauenfernsehen hat das alltagstauglich gemacht. Außerdem wollten wir uns nicht von vornherein Möglichkeiten nehmen. Und der 3-Letter-Code lässt Interpretationen zu. Die Gisa sagt immer „Festival schöner Künste“.

Gisa Fellerer: Oder „Festival schwuler Kultur“.

FSK ist kein reines Queer-Festival?

Döller: Dafür hat Wien zu wenig Zielgruppe. Wien ist andersrum brachte „Verlockungen vom anderen Ufer“ auf die Bühne. Wir diskutieren ständig, wo die Reise hingeht. Soll das, was auf der Bühne passiert, nur Trash ohne Message sein, oder gibt es noch den politischen Anspruch? Und lässt die Programmierung auch Experimente zu? Natürlich müssen wir investieren, wenn wir Künstler aufbauen wollen. Das braucht einen gewissen Atem.

Bei wem zum Beispiel?

Döller: Ich habe für drei Jahre Trevor Ashley unter Vertrag, der in Australien ein Star ist. Nur für einen Abend kannst du keinen Künstler holen, der in Europa noch ein Noname ist.

Fellerer: Wir haben natürlich auch Fixstarter wie Georgette Dee, die immer noch funktionieren und die wir sehr schätzen. Aber wir bringen eben auch Neuentdeckungen.

Sicher keine leichte Aufgabe …

Döller: Es kommt kaum was nach. Im deutschsprachigen Bereich musst du als Veranstalter schon zum Trüffelschwein werden, um da was zu finden. 2008 haben wir mit der Australierin Pam Ann begonnen, weil wir davon überzeugt waren, dass unsere Generation so weit ist, englischsprachige Künstlerinnen zu verstehen. Selbst der Quatsch Comedy Club in Berlin fährt jetzt eine englische Schiene.

Wie sehr hilft YouTube dabei, ein Publikum für hier noch unbekannte Künstler zu finden?

Döller: Pam Ann, die heuer mit ihrer brandneuen Show „Fly“ nach Wien kommt, funktioniert weltweit. Ich denke immer größenwahnsinnig und würde gerne mal eine Kathy Griffin oder eine Joan Rivers bringen. Und wenn ich einen Privatjet-Sponsor finde, dann ist das in greifbarer Nähe.

Aber versteht das Publikum hier die politischen Anspielungen?

Fellerer: Viele internationale Künstlerinnen lassen sich vor ihrem Auftritt briefen. Die sind solche Profis, dass sie lokale Themen in ihre Stand-up-Show einbauen können.

FSK ist per se kein provokantes Festival mehr. Alles nur noch Banane, wie der Veranstaltername nahe legt?

Döller: „Alles ist nur noch Banane“, das ist von Didi Hallervorden! Unser oberstes Ziel ist nicht mehr, zu provozieren. Es geht vielmehr darum, ein gewisses Unterhaltungs- und Kulturangebot am Leben zu halten. Die Kulturbanane, die wir heuer ins Leben gerufen haben, soll sich zu einer angesehenen Kulturplattform entwickeln, auf der wir unser Angebot – von der Rosa-Lila-Wiesn bis zur Retro-Roller-Disco – kommunizieren können. Alles Dinge, die uns selber Spaß machen. Wobei FSK unser größtes Kind ist.

Fellerer: Über Provokation sprechen wir oft. Aber muss man immer noch die Regenbogenfahne in der Hand haben?

Döller: Die Frage ist natürlich mit Ja zu beantworten. Solange es irgendwo auf diesem Planeten Benachteiligung gibt, so lange hat das Berechtigung.

FSK findet im Stadtsaal statt, wie wäre es mit einem eigenen Theater?

Döller: Wien hat so eine tolle Ballsaaltradition. Ich weiß, dass irgendwo noch eine eigene Varieté-Spielstätte für uns schlummert.

Würde FSK ganzjährig funktionieren?

Fellerer: Ja! Wir wären schon fertig mit dem Spielplan.

Auf welchen FSK-Programmpunkt muss man sich am meisten freuen?

Fellerer: Ich freue mich wahnsinnig auf den Ian Harvie mit „Superhero“, die Geschichte seiner Geschlechtsumwandlung vom Mädchen zum Self-Made-Man.

Döller: Absolut!

FSK14: Stadtsaal, 23.4. bis 10.5.

Information: www.fsk14.org


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