Beisl Der steirische Gourmet

Ein aufreizender Anachronismus

Steiermark | RESTAURANTTEST: GÜNTER EICHBERGER | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Wer das Grazer Sacher betritt, macht eine Zeitreise. An den Wänden des Speisesaals hängen Fotos von teils ziemlich in Vergessenheit geratener Prominenz, die vor einem halben Jahrhundert das Wiener Stammhaus beehrt hat. Der rote Plüsch wirkt nicht verrucht, sondern durch das eingewirkte Sacher-Emblem aufreizend anachronistisch wie die Bezeichnung Hoflieferant. Habsburg-Nostalgiker kommen hier auf ihre (hohe) Rechnung.

Das flaumige Grießnockerl in der Suppe ( € 4,20) weckt Erwartungen, die dann leider nicht eingelöst werden. Der neue Küchenchef Philipp Dyczek verlegt sich erst gar nicht auf kulinarische Innovationen, sondern setzt stur auf die Wiener Klassik. Der Tafelspitz (€ 18,20) ist faserig, die Schnittlauchsauce griesig, der Apfelkren ein Mus mit ein paar Flankerln Kren. Bestechend die Knödel, statt der versprochenen Semmel-gibt's allerdings Serviettenknödel. Und bis die Beilage kommt, ist das dezent paprizierte Gulasch ( € 12,-) lauwarm. Das Schnitzel auf dem Wiener Schmankerlteller (€ 14,50) ist bedenklich dunkel und trocken. Großartig hingegen die Desserts. Aber der Sacherwürfel kommt ja aus Wien.

Resümee

"Wir streben wieder eine Haube an." Von diesem Bemühen ist wenig zu merken. Fast nur die (Wein-)Preise erinnern an gehobene Gastronomie.

Café und Restaurant Sacher, Herrengasse 6,8010 Graz, Tel. 0316/80 05-0, graz@sacher.com, Mo-Sa 8.30-21.30 Uhr


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