Über Aquarelle und Collagen zur Erkenntnis. Petra Maitz in der Werkstadt Graz

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatsching | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Man kann es ihren Vertretern nicht immer ansehen, aber auch die Wissenschaft folgt der Mode. Der pictorial turn sorgte für einen der jüngeren Trends: Damit war die Ausgeburt des Neuen die Erkenntnis, dass Bilder nicht nur zur Illustration des schon zuvor Gewussten, sondern mitunter als Instrumente der Erkenntnis taugen könnten, womit sich der Graubereich zwischen Wissenschaft und Kunst erheblich erweitert hat. Hier fühlen sich jene künstlerischen Positionen wohl, die sich selbst gerne als gar wissenschaftlich verstehen - mit unterschiedlichem Anspruch freilich.

Die Künstlerin Petra Maitz kann jedenfalls auch auf ein Medizinstudium zurückblicken. Wenn sie ihren Blick aufs Kleinste richtet, darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält, oder darauf, was den Menschen programmiert, dann tut sie das, weil auch sie an die größeren Zusammenhänge glaubt. An jene Zusammenhänge, die zwischen den Erscheinungen zu existieren scheinen und deshalb die Grundlage diverser Systemmodelle bilden. Und an jene Zusammenhänge, die zwischen den Disziplinen, also auch zwischen Kunst und Naturkunde herstellbar sind. Das alles floss zuletzt in das Buch "Visualisation of Evolution" ein, wo Maitz "eine umfassende These der chemischen Weltveränderung" formte und "mittels Zeichnung Visualisierungen von Evolution im kulturwissenschaftlichen Sinn" zeigte. Nun macht sie in ihrer gleichnamigen Ausstellung in der Werkstadt Graz klar, wie sehr sich natur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven gegenseitig inspirieren könnten. Was ein Pinsel alles kann!

Werkstadt Graz/Graz Kunst, bis 3.5.


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