Film Neu im Kino

Stimmen im Hintergrund: "20 Feet From Stardom"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Es sei ein langer Weg bis nach vorn an den Bühnenrand. Narzissmus und das passende Ego seien nötig, um sich dort wohlzufühlen. Am Anfang von Morgan Nevilles Dokumentarfilm "20 Feet From Stardom" ist noch nicht klar, was diese Aussage genau bedeutet. Beginnt das Porträt der kaum beachteten Berufsgruppe der Background-Sängerinnen (sowie weniger -Sänger) doch mit Erzählfreude, Stolz und Begeisterung, mit dem Schwärmen für das gemeinsame Singen. Im Fokus stehen die großen Stimmen vorwiegend schwarzer Frauen, die ab den 1960er-Jahren die Musikwelt aus dem Hintergrund prägten.

Bald lenkt Neville die Aufmerksamkeit aber auf das Kernthema, das Eingangszitat wie Titel seines Films prägt: Den Wunsch vieler Background-Sängerinnen, selbst im Rampenlicht zu stehen. Aus der Fülle der Interviewten treten dabei Darlene Love, Merry Clayton, Lisa Fischer, Claudia Lennear, Táta Vega und Judith Hill hervor -ihre Versuche, als Solokünstlerinnen erfolgreich zu sein, bilden den Boden einer inhaltlich wie emotional breit gefächerten Diskussion um den Platz am hinteren oder vorderen Rand der Bühne.

Der Wandel der Gesellschaft und des Frauenbildes seit den Sechzigerjahren ist ebenso wie 50 Jahre Musikgeschichte in diese höchst persönlichen Reflexionen eingewoben, ergänzt durch großartige Anekdoten, Archivmaterial und Gesangssessions der Gegenwart.

Eine reife Leistung, all das unter einen Hut zu bringen: Als akustischer Hochgenuss und berührender Blick auf viel zu wenig bekannte Sängerinnen hat "20 Feet From Stardom" den Oscar als bester Dokumentarfilm verdient gewonnen. Beworben wird der Film übrigens mit Bruce Springsteen, Sting, Mick Jagger und Stevie Wonder, die sich unter den unzähligen Interviewpartnern finden.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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