"Hast du mich lieb?"

Schwerstbehinderte Menschen werden immer noch zu oft weggesperrt. Ingrid M. hatte es besser. Lange kümmerte sich ihre Mutter um sie. Nun lebt sie im Heim

Politik | REPORTAGE: LUKAS MATZINGER ILLUSTRATION: P. M. HOFFMANN | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Erst längs, dann quer. Langsam schneidet Sabrina das Marmeladebrot in fingerbreite Würfel. Sie hatte in dieser Winternacht Dienst und ist damit auch für die Morgenroutine verantwortlich. Einen Stock höher freut sich jemand schon sehr darauf. "Ingrid Maria Mama." Lachen. "Mariiiia." Die Stimme wird lauter, als Sabrina über die alte Holzstiege ins Obergeschoß geht. Zimmertür auf, Licht an. "Guten Morgen, Ingrid!" Es ist 6.40 Uhr.

Sabrina zieht der zierlichen Frau die Bettdecke vom Körper, zwei neben ihr gebettete Plüschschäferhunde kommen zum Vorschein. Ingrid gibt einem davon einen Kuss, bevor sie die Beine hebt und grinsend beginnt, Räder in die Luft zu treten. "Machst du deinen Morgensport, Ingrid?", fragt Sabrina, als sie die Betteinlage kontrolliert. In dieser Nacht ist sie trocken geblieben.

"Ziehst du dich aus, Ingrid?" Sabrinas Frage wird begleitet vom Quietschen des Gummihandschuhs, den sie sich gerade über ihre junge Hand streift. "Zeit für Katzenwäsche." Ingrid nimmt


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