Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Verschwörungsfilm der Welt der Woche

Patschenkino muss nicht deppert sein

Feuilleton | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Natürlich glaubt der Zuseher, gleich zu Beginn Zeuge des berühmten Attentats zu sein. Als der mit der Untersuchung betreute Dr. Leo Pfeffer bereits sein erstes Verhör führt, wird ihm jedoch die Kunde von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Gattin überbracht: Bekanntlich war erst das zweite Attentat "erfolgreich" - das vorderhand allerdings im Off bleibt.

Schon dieser subtile dramaturgische Kniff unterscheidet "Das Attentat - Sarajevo 1914" (Erstsendung: 23.4., 20.15, ORF 2) von anderen "Eventfilmen", wie sie das Fernsehen zu diversen Feiertagen gerne herausbringt.

Inszeniert hat diesen Politthriller in historischem Gewand der heimische Genrespezialist Andreas Prochaska, das Drehbuch stammt - wie schon beim jüngsten Kinoerfolg "Das finstere Tal" - von Martin Ambrosch.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des besagten und im Übrigen historisch verbürgten Dr. Pfeffer, dem ein vorgesetzter Justizrat recht unverblümt mitteilt, was Sache zu sein hat: "Es ist offensichtlich, dass die serbische Regierung hinter dem Attentat steht, und Sie werden das beweisen."

Natürlich steht Pfeffer (Florian Teichtmeister), der als Jude und Kroate einer gewissen Renitenz gleich doppelt verdächtig ist, von Anfang an auf verlorenem Posten. Dem "militärischindustriellen Komplex", wie das seit Oliver Stones "JFK" so schön heißt, ist kein noch so integrer Ermittler gewachsen. Schon gar nicht, wenn er sich eine amouröse Ablenkung erlaubt (sehr apart: Melika Foroutan als junge Serbin aus reicher Familie).

Zu guter Letzt lädt "Das Attentat" zum beliebten Location-Raten ein. Das Café Jelinek, die Bildende am Schillerplatz und das Palais Schwarzenberg haben schon lang nimmer so gut ausgeschaut!


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