Tiere

Wo Enten hausen

Zoo | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Cow-tipping, also das Umschubsen von angeblich im Stehen schlafenden Rindern, ist eine urbane Legende. Kein Mythos hingegen ist der in Wien sehr beliebte Freizeitsport „Entenretten“. Erst letzte Woche rückte die Berufsfeuerwehr auf dringliches Ersuchen zahlreicher Passanten aus, um zwei Stockenten zu „retten“, die furchtlos auf der Wollzeile herumwatschelten. Eines der beiden Tiere wurde in eine Transportbox bugsiert und in den nahen Stadtpark verfrachtet. Die zweite Ente folgte freiwillig dem Einsatzwagen. Am nächsten Tag saßen die Vögel wieder an derselben Stelle.

Das erinnert ein bisschen an jenen Witz, wo ein Blinder von hilfsbereiten Menschen über eine stark befahrene Straße geführt wird, obwohl er diese gar nicht überqueren wollte.

Zurzeit kann man dieses Spektakel täglich direkt in der Fußgängerzone vor der Volksschule Stubenbastei beobachten: Ein Entenpärchen sitzt auf dem Asphalt, nippt manchmal Wasser aus einer Regenpfütze und sammelt am Boden liegende Essensreste auf. Um die Tiere herum bilden sich wabernde Menschentrauben, die aufgeregt diskutieren: Sind die Tiere tollwütig und deswegen so zutraulich? Sind sie verletzt, und welche Behörde sollte verständigt werden. Fressen Enten Würmer, und wo kann man welche für sie fangen? Frieren sie?

Diese dem bedingungslosen Leserservice verpflichtete Kolumne kennt alle Antworten, noch bevor sie gestellt werden. Österreich wurde 2008 von der WHO für tollwutfrei erklärt, und auch diese Enten sind ohne Wut oder Schaum vorm Schnabel. Als erfahrene Stadtpark-Bewohner haben diese Vögel auch vor lärmenden Menschenmassen keine Angst, schätzen aber das feine Nahrungsangebot der Innenstadt. Behörden: Wer sich von den Enten in seiner Sicherheit bedroht fühlt, ruft die Polizei. Haben sich die Tiere in den ausufernden Markisen des nahen Gasthauses verfangen, dann hilft die Feuerwehr. Schwimmen sie mit dem Bauch nach oben im Wasser oder ragt ein Pfeil aus ihrem Gefieder, dann ruft man das Veterinäramt. Zusatztipp: Ab Juli wechseln Stockenten ihr Gefieder. Dabei fallen ihnen zuerst die alten Federn aus, was ihnen einen zerzausten, etwas armseligen Look verpasst. Gesund sind sie trotzdem, und auch ein Tierarzt kann da nicht helfen.

Füttern: Diese Vögel sind Allesfresser, dennoch gilt: Die Enten nur anschauen und das mitgebrachte Brot selbst essen.


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