Mediaforschung Verführungskolumne

Schieben die Freiheitlichen ihren Chef nach Brüssel ab?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Vor 2800 Jahren schrieb der griechische Dichtervater Homer das erste Mal das Wort "Europa" in seine "Ilias", seither haben sich Abermillionen Europäer in Völkerschlachten die Schädel eingeschlagen. Heuer - 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs - können die Menschen auf dem alten Kontinent zum ersten Mal in ihrer Geschichte europäische statt nationale Spitzenkandidaten wählen.

Diese historische Dimension ist den Parteien in Österreich ziemlich wurscht. Die Roten plakatieren im EU-Wahlkampf lieber Eugen Freund aus Kärnten als Martin Schulz aus Deutschland. Die Schwarzen werben lieber mit dem Niederösterreicher Othmar Karas als mit dem Belgier Jean-Claude Juncker. Nur der FPÖ kann man da keinen Vorwurf machen. Denn Europas Rechtsaußenparteien haben ja gar keinen gemeinsamen EU-Kandidaten. Wie schaute denn das aus - ein internationaler nationaler Frontmann? Da müsste man ja in 27 von 28 EU-Staaten einen Ausländer affichieren!

Welches Gesicht plakatiert die FPÖ stattdessen? Etwa FPÖ-Listenführer Harald Vilimsky? Na ja, der kommt in der Kampagne zwar auch irgendwie vor. Hauptfigur ist aber wieder FPÖ-Chef Strache, auch wenn der gar nicht zur Wahl steht. "Wir halten unseren Obmann für eine Wahlkampf-Lokomotive", erklärt FPÖ-Werbechef Herbert Kickl. Der Slogan seines Plakats: "Österreich denkt um. Zu viel EU ist dumm." Was für ein Reim. 2800 Jahre nach Homer scheint der Untergang des Abendlandes tatsächlich nah.


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