Hilfe dringend gesucht

Heftige Kritik am Grazer Jugendamt: Es arbeite nach einem neoliberalen Einsparungsmodell, das die Schwächsten zurücklasse. Was ist dran?

Steiermark | RECHERCHE: GREGOR STADLOBER | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014


Foto: J.J. Kucek

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Sprunghaft besser geworden – und gleichzeitig auch noch um 18,7 Prozent billiger: Zu diesem verblüffenden Befund kommt eine Evaluation über die Grazer Kinder- und Jugendhilfe. Sie findet seit 2009 fast ausschließlich positive Entwicklungen. So sei die durchschnittliche Unabhängigkeit am Ende der Hilfsmaßnahmen von 39 auf 84 Prozent gestiegen, erklärte Autor Vincent Richardt vom Münchener Institut Viasozial: 84 Prozent der Klienten benötigten also keine weitere Unterstützung der Jugendwohlfahrt mehr. Vizebürgermeisterin und Jugendstadträtin Martina Schröck (SPÖ) sah bei der Präsentation vor einem Jahr ein Zeichen dafür, „dass das Amt für Jugend und Familie hier einen wichtigen und richtigen Schritt gesetzt hat“.

Die Zauberformel heißt Sozialraumorientierung und ist ein Konzept des deutschen Erziehungswissenschaftlers Wolfgang Hinte. In Graz wird es noch bis Ende 2014 als Pilotprojekt getestet. Zunehmend wird jedoch Kritik daran laut. Aktueller Auslöser: die Evaluation der Grazer Jugend-WGs, beauftragt aus Anlass wiederholter sexueller Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen in einer Wohngruppe, die lange Zeit unentdeckt blieben. Ergebnis der Untersuchung: „So kann es nicht weitergehen.“ Kritiker, etwa die Grazer Grünen, sehen nun einen Zusammenhang mit der Grazer Sozialraumorientierung.


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