Film Neu im Kino

Plan B gibt's keinen: "Und morgen Mittag bin ich tot"

Lexikon | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Lea atmet schwer. Bei der kleinsten Anstrengung ringt sie nach Luft, da hilft auch das tragbare Sauerstoffgerät nur wenig. Lea ist unheilbar an Mukoviszidose erkrankt, einer erblichen Stoffwechselstörung, die zuvor auch schon ihren Bruder Benji umgebracht hat. An ihrem Geburtstag möchte Lea sterben; sie fährt in die Schweiz, wo "assistierter Suizid" gesetzlich erlaubt ist. Übermorgen wird sie 23.

Für sein Regiedebüt "Und morgen Mittag bin ich tot" hat Frederik Steiner sich gleich das Schwierigste überhaupt vorgenommen: einen Film über das Sterben, der heiter im Tonfall, aber ernst in der Sache sein soll. "Ich will ja nicht vor Langeweile sterben", erklärt Lea, als das Gespräch beim letzten Schnitzelessen mit der Familie nicht so recht in Gang kommen will. Von den Angehörigen -Oma, Mutter, Schwester und Heiner, ein Ex-Freund - gewinnt nur Lena Stolze als Mutter wirklich Profil. Naturgemäß kann diese sich mit Leas allein gefasstem Entschluss am allerwenigsten abfinden: "Ich habe einen Kuchen gebacken, der muss jetzt in den Kühlschrank." Sie erkennt schlicht nicht an, dass es längst keine Hoffnung mehr gibt.

Mutig und richtig war die Entscheidung, die Hauptrolle einer weithin unbekannten 23-Jährigen anzuvertrauen, Liv Lisa Fries, die sich zudem als wahrer Glücksgriff erwiesen und für ihre beeindruckende Darstellung inzwischen etliche Nachwuchspreise erhalten hat. Hingegen sind die Episoden, die sich dem eigentlichen Themenkomplex entfernen, ein bisserl sehr putzig geraten: So etwa Leas unvorhergesehene Begegnung mit Moritz (Max Hegewald), einem künstlerisch begabten Selbstmordkandidaten, mit dem sie eine Fahrt auf dem herbstlichen Zürichsee unternimmt. Und auch bei der Musik hätte man gern etwas Zurückhaltung üben dürfen. Leas keuchender Atem erzählt schon die ganze Geschichte. MO

Ab Fr in den Kinos


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