Phettbergs Predigtdienst

Als ob ich sie zum ersten Mal hörte!

Kolumnen | aus FALTER 17/14 vom 23.04.2014

Vor der Vorabendmesse ging ich quer über den Pintplatz und sah ein junges Mann-Frau-Pärchen, das auch die Sonne suchte. Der Mann hatte ultraschwarze, lange Haare. Ich sah seinem Wesen an, dass er total kommunikativ wäre. So saßen wir stundenlang einander gegenüber auf den Bänken am Pintplatz. Als das Pärchen anhub zu gehen, nahm ich allen Mut zusammen, denn ich sehe, wenn die Sonne scheint, nie die Uhrzeit am Kirchturm der Ägidikirche und fragte voller Demut den Herrn, wie spät es sei. Und der göttliche Gentleman sagte voller Frische und Zugewendetheit: "Es ist 14 Uhr zehn." Dies war meine heutige Orgie.

Dann zelebrierte wieder Pater Antonio und las im Dialog mit einem Pastoralassistenten aus dem Matthäusevangelium die Leidensgeschichte vor. Die schmucklose Zeremonie verdient den Nobelpreis für Schlichtheit, ich verehre Pater Antonio für sein bescheidenes Wesen. Noch nie hatte ich so innig der Geschichte Jesu nach Matthäus gelauscht wie jetzt soeben, als ob ich sie zum ersten Mal hörte! Als der Stadthauptmann nach der Vollstreckung der Kreuzigung und nach dem in der Sekunde erfolgenden Erdbeben rief: "Dies ist wahrlich Gottes Sohn!"

Nun erscheint in dieser Sekunde Gloria G. zum Krenreiben, denn Sir Michaela Göbel hat vorgestern Kren für mich gekauft, das wären aber so gewaltige Pranken geworden, wenn ich davon abbisse, würde ich hinnig werden. Sir Gloria hat ein Glas mitgebracht, das nun mit Kren gefüllt werden wird. Und ich werde den Rest des Kalbsbeuschels zum Abendessen futtern. Na, geht's mir himmlisch? Ich weiß sehr wohl, dass Kälber so kurz leben, dass sie keinesfalls geschlachtet werden dürften, doch ich muss auch hiermit bestätigen, dass Kalbsbeuschel mir besser schmeckt als Schweinsbeuschel, und vor allem weniger Schweinsfett enthält. Es müsste ein x-ter Sir erscheinen und mir ein gekochtes Rindsbeuschel liefern, dass ich Haftlmacher dies auch einmal erführe. Wie bei so vielem bin ich "mir" noch immer im Wigl-Wogl.

Vor allem nach der heutigen Performance von Pater Antonio mit der Matthäus-Leidensgeschichte. Aber ich weiß nun, was aus Palmbuschen wird: Trauerweiden. Als "Jüngling" lieb ich es, mit Weidenruten am Jeans-Arsch geschlagen zu werden!

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