Die Schabkunst, das verkannte Medium. Eine Ausstellung in der Alten Galerie

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Sie wird für keine große Kunst gehalten und ist nur eine zierliche Übung." Wer das Mezzotinto, die Schabkunst also, derart rüde abqualifiziert wie der bekannteste deutschsprachige Kunsttheoretiker des 17. Jahrhunderts, Joachim von Sandrart, liegt nur zur Hälfte richtig. Tatsächlich war die Schabkunst hauptsächlich ein Reproduktionsmedium zur Dokumentation und Verbreitung anderer Bilder, ein Vorläufer der Fotografie allenthalben und, wie diese, lange von den höheren Weihen der Kunstgeschichtsschreibung ausgeschlossen.

Das handwerklich enorm anspruchsvolle Verfahren als "zierliche Übung" abzutun, ist aber mehr als ungerecht. Für die historisch erste Flächentechnik im Tiefdruckverfahren wird eine Kupferplatte zunächst flächendeckend aufgeraut, was einen sattschwarzen Tiefdruck ergibt, bevor die helleren Partien des Bildes mit diversen Schabeisen geglättet werden, um im Druck dann mehr oder minder hell zu erscheinen. Die diesjährige, sehr sorgsam kuratierte Sonderausstellung der Alten Galerie "Die schwarze Kunst. Meisterwerke der Schabkunst" rehabilitiert das aufwendige Druckverfahren nachdrücklich.

Am anschaulichsten im zweiten Raum: Marc Frising, einer von ganz wenigen zeitgenössischen Schabkünstlern, hat neben dem eigens für die Ausstellung geschaffenen Blatt "The eternity of a child's dream is a fleeting moment" auch Zustandsdrucke und Werkzeuge gestellt, die den mühsamen Weg vom tiefen Schwarz zur typischerweise weich fließenden, fast zärtlich anmutenden Zeichnung erklären.

Alte Galerie, Graz, bis 20.7.


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