Glosse Arbeitsmoral

Dort, wo der Tafelspitz zu Hause ist, wohnt der traurige Chef Mario

Falter & Meinung | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Nobel-Gastronom Mario Plachutta hat zwei wache Augen und ein schlechtes Händchen. Zumindest bei der Auswahl seines Personals. Da war etwa der Mitarbeiter, der im Restaurant so viel gelacht hat. Das hat Chef Mario ganz traurig gemacht. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Frohsinn selbst im traditionellen Wiener Gasthaus Platz greift? Chef Mario hat ihn gefeuert.

Oder der Kellner, der seine Erdbeeren mit dem Zucker vom Plachutta süßte. 50 Gramm Staubzucker, oder wie man es in der Nobelgastronomie nennt: "das weiße Gold". Entwendet, einfach so. Gegenwert: zehn Cent. Fast. Chef Mario hat ihn gefeuert.

Die Gerichte urteilten nun, Chef Mario habe die beiden zu Unrecht hinausgeworfen. Jetzt ist er wieder traurig. Das Leben ist oft bitter und überhaupt nicht zum Lachen.


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