Und demnächst: Indonesisch

Ein Holländer kocht sich um die Welt - und das zurzeit in Hernals

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ob hier früher einmal das legendäre Avocado’s des Kochs der amerikanischen Botschaft war, kann heute leider kaum mehr festgestellt werden, ist ja auch schon recht lang her, und seither gaben sich die diversen China- und Pan-Asia-Lokale hier im jährlichen Rhythmus die Klinke in die Hand.

Außerdem wäre es auch wurscht, ob hier früher großartig amerikanisch gekocht wurde, denn seit ein paar Wochen hat hier Jeroen van Heerde sein „Gecko“ eröffnet. Und das ist insofern doch ein wenig erstaunlich, weil Herr van Heerde erstens kein Koch ist, sondern Eventmanager und außerdem Kultur-Attaché der niederländischen Botschaft war, und zweitens keine Pizzeria, keinen Sushi-Verschleißer und kein Kebab-Lokal aufmachte, was in den vergangenen Jahren rund um den Elterleinplatz irgendwie gesetzlich vorgeschrieben schien. Sondern ein durchaus wertig gestaltetes Lounge-Restaurant mit einer Küchenrichtung, die sich nicht ganz unbescheiden als „The best of 3 continents“ bezeichnet.

Er hätte Hernals nicht gekannt, sagt Jeroen van Heerde, aber Größe und Lage des Lokals schienen ihm ideal, das Lokal bekam also eine edle Bar aus schwarzem Marmor, indirekte Beleuchtung, alte Wandtäfelung wurde mit Designermobiliar kombiniert. Okay, hätte man alles ein wenig dezenter machen können, und gerade hier wirkt das Gecko ein bisschen sehr fremdkörperlich, Nachbarn von rundherum, die kein Sushi, keine Pizza und kein Kebab mögen, seien ihm aber sehr dankbar, erzählt van Heerde.

Geboren sei er in Singapur, hätte eine Zeit lang in Südamerika gelebt und dann diverse Länder in Europa kennengelernt, und das alles will er in seinem Lokal geschmacklich zur Geltung bringen. Und weil er sich mit dem Koch zerstritten hat, kocht Jeroen van Heerde jetzt selbst. Klingt alles ein bisschen angsteinflößend, und wie man mit Caesar Salad, Quiche lorraine, Zwiebelsuppe und Burrito jetzt klarkommen soll, ist auch nicht so klar. Aber dann kommt das Tandoori-Huhn auf Salat, und das schaut nicht nur prächtig aus, sondern schmeckt tatsächlich fantastisch.

Die Gewürzmischung besser als gewohnt, das Fleisch saftig gebraten, der Koriander-Dip dazu eine Wonne. Und den eher chaotischen Paprika-Gurken-Zwiebel-Pinienkern-Rosinen-Salat daneben muss man ja nicht essen (€ 6,90). Weiter geht’s mit Boeuf provençale, und das ist so mürbe, dass es in seiner Zwiebel-Speck-Wacholder-Kräuter-Sauce fast zerbröselt, wirklich sehr gut (€ 11,20).

Demnächst wolle er auch ein bisschen indonesisch kochen, van Heerde ist erstaunt, dass es das in Wien noch überhaupt nicht gibt, mit holländischer Küche müsse man aber nicht rechnen: „Die ist nicht im Mittelpunkt meines Interesses. Fusion gefällt mir aber sehr gut.“ Fein, uns nämlich auch, also zumindest so.

Resümee:

Ein neues Beisl, das zwar ein bisschen wie ein Animierlokal aussieht, aber kocht, wie man es an den angesagten Stellen der Stadt auch gerne hätte.

Gecko
17., Hernalser Hauptstr. 86
Tel. 0664/203 82 63
Mo–Do 8–23, Fr 8–1, Sa 9–1, So 9–23 Uhr


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige