Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

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Falter & Meinung | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Hundert Jahre vor Gerhard Stöger hatte der Falter wen auf dem Cover? Richtig, Tori Amos. "Mehr als ein Popgirl", stand da, und das stimmt ja irgendwie. Wer sich allerdings ein Interview erwartet hätte, wurde enttäuscht, aber nur ein bisschen. Immerhin schrieb Doris Knecht herself das Porträt der Sängerin und Pianistin, die zwar als "Good Girl in der Popmusik" ausgeschildert wurde, der sie aber dann "subversive Intimität" und am Ende doch "pure Sexualität" konzedierte.

Sonst fand man in diesem Falter einen Spezialteil mit dem merkwürdigen Titel "Onliners". Da wusste der holzversessene Chefredakteur wohl nicht genau, was er ins Blatt hängte. Thomas Seifert porträtierte da den kommerziellen Informationsdienst Compuserve, um die Frage zu beantworten wo meteorologisch Interessierte zum Beispiel die aktuelle Satellitenwetterkarte von Mitteleuropa finden.

Und Herbert Hrachovec, Philosoph und Falter-Autor, bemühte eine literarische Metapher, um dem Publikum etwas zu erklären, was ganz und gar nicht selbstverständlich schien: "The Hitchhikers Guide to the Internet", aber schon in der Unterzeile redete er Klartext: "Ursprünglich als militärisches Computernetzwerk aufgebaut, verbindet das Internet heute weltweit rund 20 Millionen von Usern -Universitätsassistenten, Firmenangestellte, Regierungsbeamte. Internet (sic!) ist die größte funktionierende Anarchie der Welt."

Sehr hübsch nimmt sich auch ein Kasten mit Telefonnummern aus, zum Beispiel von "Fido-Net-Mailboxen". Und eines war von Anfang an klar: "Der im Entstehen begriffene NII (National Information Infrastructure) - besser bekannt als Superdatahighway -soll von amerikanischen Geheimdiensten überwachbar gemacht werden. Schon steigen die ersten Hacker auf die Barrikaden", warnten Kurt Fuchs und Peter Purgathofer, "Vorstandsmitglieder der eCE - engagierte ComputerexpertInnen - die sich mit gesellschaftlichen Aspekten der EDV beschäftigen. Kontakt: Postfach 168, 1015 Wien." Hätte Edward Snowdon nur dieses Postfach gekannt! AT


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