Kunst Kritik

Malerduett: Wenn der Hai lautlos schreit

Lexikon | NS | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Als der für seine eingelegten Haie und brillantenbesetzten Totenschädel berühmt gewordene Damien Hirst in London 2012 erstmals eine Serie von eigenhändigen, figurativen Gemälden präsentierte, erntete er fast ausschließlich Spott und Verrisse. "Shockingly bad", urteilte die Times, und der Kritiker des Guardian bat den Künstler, den Pinsel schnell wieder niederzulegen. Hirsts Stillleben mit Papageien, Schmetterlingen und Kirschblüten wären nicht nur schlecht gemalt, sondern auch vollkommen ironiefrei und - dank ständiger Wiederholung - ungeheuer fad.

Jetzt ist der redundante Zyklus "Two Weeks One Summer" im Arnulf Rainer Museum in Baden ausgestellt. Der niederländische Kurator Rudi Fuchs hatte die Idee, die zwischen 2008 und 2011 entstandenen Werke mit Gemälden von Arnulf Rainer zusammenzuspannen, wie es in der Vergangenheit bereits mit Georg Baselitz und Mario Merz geschah. Rainers expressive Übermalungen seit den Fünfzigerjahren hängen neben dem peinlichen Pathoskitsch, den man kein zweites Mal anschauen würde, wenn nicht der berühmte Name daneben stünde. Hirst ist sich nicht zu blöd, auch seine Objektkunst zu zitieren, indem er etwa Haifischzähne malt. Aus dem geöffneten Fischmaul klafft eine dunkle Leere, die an die schreienden Päpste von Francis Bacon erinnert. Auch verankert Hirst seine Dingwelt in käfigartigen Linienkonstruktionen à la Bacon, den er als eines seiner Vorbilder nennt.

Es könnte einen ja fast mit Genugtuung erfüllen, dass ein internationaler Star neben einem heimischem Klassiker derart abstinkt. Hirst schafft es zwar nicht, Rainer runterzuziehen, aber die formalistische Hängung der Schau - etwa hier blaue Papageienfedern von Hirst, dort eine blaue Farbbahn bei Rainer - fördert auch wenig Interessantes über die Kunst des Hausherrn zutage.

Arnulf Rainer Museum Baden, bis 5.10.


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