Bilder eines Ernstfalls

Die Wunden sind noch frisch: die ukrainische Revolution im Wiener Künstlerhaus

Feuilleton | RUNDGANG: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Es ist nicht lange her, da stapften bullige Männer mit schwarzen Sonnenbrillen durchs Wiener Künstlerhaus. Es waren Beamte des ukrainischen Geheimdienstes, die das Gebäude am Karlsplatz durchsuchten, denn der damalige Präsident Viktor Janukowytsch wollte im Zuge seines Staatsbesuchs auch die Ausstellung mit Werken aus dem Kiewer Nationalmuseum sehen.

Dort, wo vor kurzem noch die offizielle Staatskunst hing, stellen nun jene aus, die den autokratischen Präsidenten aus dem Amt jagten, etwa Markijan Matsech, der im letzten Winter sein Klavier in Kiew vor der Phalanx der Polizisten aufstellte und Chopin spielte.

Oder Ivan Semesjuk, der auf den Barrikaden einen "Künstlerischen Wachturm" aus Sperrholz errichtete und spontane Ausstellungen von Bildern organisierte, die eine naive Malweise mit aktuellen Bildmotiven verknüpfen. Semesjuks "Welcome to Ukraine" zeigt eine Bäuerin mit Totenkopf und einem Galgenstrick in der Hand. "Uns hat interessiert: Was machen Künstler im Ernstfall, dann,


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