Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Bär-Leen

Falter & Meinung | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

In Berlin wird ja alles eher beim Namen genannt. Das Imbisslokal einer jungen Dame heißt Fräulein Burger. Der Last-Minute-Friseur heißt Notaufnahme. Gewürze gibt's im Pfefferhaus. Die hippe Webdesign Firma nennt sich Geil, Danke GmbH. Die Weinbar mit Spezialisierung auf österreichische Weine heißt Cordobar. Dort trifft man die aus dem Anzengruber, die gerade in Berlin sind. Tante Horst und Muschi Obermaier sind auch Lokale. Schuhe kauft man bei Prachtstück. Blumen bei Blattwerk. Die Krimibuchhandlung heißt totsicher. Das Parfumgeschäft von Frau Toni heißt Frau Tonis Parfum. Die spezielle Boutique für erotische Accessoires heißt Peitschenhandel.

Die späte Anbahnung zum Geschlechtsverkehr kurz vor der Sperrstunde heißt in Berlin, dezent, dezent: Reste ficken.

Mit ein bisschen Ehrgeiz geht das aber in Wien auch: also zum Frisör beim Abschnitt, essen in der Labstelle, wer Understatement schätzt, geht ins Zweitbester. Erotisch saufen kann man im Puff -die -Bar. Und dann, wenn die Sperrstunde endlich naht: staubt man noch ab, hier in Wien. Klingt zumindest schmutzig. F


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