Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Lamas Kraftquelle

Tolle Tees, die umwerfen und im Magen drücken

Stadtleben | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Öffnet man das Päckchen "Lamas Kraftquelle" der Demeter-Teereihe "Nepali Gardens", meint man einen stechenden Plastikgeruch in der Nase zu spüren. Das rührt vielleicht von der zum Ausgleich tendierenden Sinneswahrnehmung von durch und durch verstädterten Wesen beim Anblick eines durch und durch natürlich inszenierten Produkts.

Die Kräuterteemischung wirkt so, als ob alles daran stimmen würde: Sie ist Demeter-bio, fair und, was wichtig ist, direkt gehandelt. Das handgeschöpfte Papier der insgesamt zehn verschiedenen Sorten ist dekorativ und kann, sobald der Tee aufgebraucht und das Etikett von der Schachtel gelöst ist, als duftende (der Plastikgeruch ist bereits vergessen) Geschenkebox weiterverwendet werden. Und der Tee, der in Lamas Fall aus Tulsi, Brahmi, Zimtbasilikum, Ingwer und -what the hell is - Tejpat besteht, schmeckt einfach umwerfend: duftet intensiv, schmeckt zart.

Und doch gibt es, wie immer, einen Haken: dieser Ayurveda-Sprech. Nicht dass Ayurveda hierorts schlecht wegkommen soll. Die Verbindung von Ayurveda und Marketing ist's, die im Magen drückt. Obwohl die süßen Heilsversprechungen, die hier feilgeboten werden, verlockend fürs Ohr sind: "zum aufmerksam geistig Arbeiten"; "hilft dem Geist auf die Sprünge"; "und der Tag fängt gut an";"die unglaubliche Leichtigkeit des Seins". Wenn man die Deppensteuer abzieht, die einem beim Luxusbäcker in der Innenstadt aufgebrummt wird, dann ist der Tee immer noch teuer, aber gut für Gewissen und Gaumen. MS


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