Tiere

Schön und weich

Falters Zoo | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014


Als metrosexueller Mensch hat man es nicht leicht. Ständig auf der Suche nach den neuesten Errungenschaften der Style-and-Beauty-Szene, kann es durchaus mal passieren, dass man sich den Hype von gestern andrehen lässt: Wer jetzt noch damit prötzelt, dass seine verhornhauteten Füße von einem Doktorfisch (Rötliche Saugbarbe bzw. Garra rufa) auf Babypopo geglättet werden, der ist aber so etwas von letzter Woche. Jetzt trägt man nämlich Schnecken. Im Gesicht. Aus Japan.

„Snail facials“ nennt sich dies etwas vulgär-pornografisch und die Behandlung kostet in einem Tokioter Schönheitssalon 195 Euro. Dafür bekommt man drei größere Schnecken auf das Gesicht gesetzt und ein Schneckenflüsterer achtet darauf, dass diese nicht in Mund und Nase kriechen. Angeblich raspeln dann die Weichtiere Hautschuppen schneller ab, als eine Küchenreibe Zitronenzesten abwirft. Und – ganz entscheidend – die auf der Haut verbleibende Schleimspur soll „powerful anti-ageing properties“ besitzen.

Nach einem Arbeitseinsatz ruhen die Schnecken vier Tage. Wohl auch, um zu verhindern, dass die Hautreste des Vorgängers nach einer Darmpassage auf dem Gesicht des nächsten Patienten landen.

Leider bekommt man bei solchen Nachrichtenschnipseln nie genaue Informationen zu den daran beteiligten Tierarten. Fotos findet man im Internet dazu sehr schnell, aber auch da ist nicht klar, ob nicht ein findiger Fotograf einem Model einfach nur ein paar Schnecken aus dem nächstbesten Garten aufgesetzt hat.

Ein Style-Salon in Corby, Northamptonshire, hat den Trend übernommen und verwendet dafür Cornu aspersum, die Gefleckte Weinbergschnecke. Diese Art gleicht unserer heimischen Weinbergschnecke, ist aber etwas kleiner. Beide Arten haben den Vorteil, dass sie für die Gastronomie gezüchtet werden und so leicht verfügbar sind. Beide Schneckenarten ernähren sich von welken Pflanzenteilen und Algenbewüchsen. Das mag zwar an die Hautoberfläche mancher Menschen erinnern, Hornhaut gehört aber definitiv nicht zur bevorzugten Futterwahl.

Ich finde die Idee, dass man mit den sonst so verhassten Schnecken Freundschaft schließt, sehr gut! In einer besseren Welt streuen erregte Gartenbesitzer nicht mehr kiloweise Blaukorn auf diese mit Zauberschleim ausgestatteten Tiere, sondern legen sie sich aufs Gesicht. And I think to myself: what a wonderful world!


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