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Stadtleben | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

In den vergangenen eineinhalb Wochen sind in Wien zwei Häuser ihren Bewohnern förmlich um die Ohren geflogen: In der Marc-Aurel-Straße hat angeblich ein Mietnomade Feuer gelegt, wobei eine 23-jährige Frau gestorben ist. Auf der äußeren Mariahilfer Straße soll sich ein verzweifelter 19-Jähriger in die Luft gesprengt haben. In beiden Fällen gab es je einen Toten, einige Verletzte und jede Menge Chaos und Zerstörung.

Besonders arg ist aber, wie die Wiener darauf reagieren: Am Samstag kamen bei strahlendem Sonnenschein so viele Schaulustige auf die Mahü, um dem Spektakel des Feuerwehrgroßeinsatzes beizuwohnen, dass der Straßenabschnitt abgesperrt werden musste, damit die Einsatzkräfte in Ruhe arbeiten konnten. Das hinderte die Gaffer dennoch nicht daran, sensationslüstern mit den Handys zu filmen. Noch schlimmer in der Marc-Aurel-Straße: Hier machen Katastrophentouristen Selfies vor der Brandruine und der Gedenkstätte für die Tote. "Geht's noch?", fragt man sich da. Die Morbidität, die man den Wienern nachsagt, liegt ihnen anscheinend tatsächlich im Blut. F


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