Kommentar Kulturpolitik

Adieu, Klo'burg: Der Verkauf der Sammlung Essl bahnt sich an

Falter & Meinung | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Der Fall war damit noch lange nicht erledigt. Das war klar, als Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) unlängst verkündete, der Staat werde die Sammlung des hochverschuldeten Baumax-Eigentümers Karlheinz Essl nicht kaufen. So beruhigte Ostermayer zwar die öffentliche Meinung, nicht aber die Banken, die Bares sehen wollen, bevor sie einem Schuldennachlass zustimmen.

Karlheinz Essl bekommt nun von den Gläubigern die Möglichkeit, nach einem privaten Käufer für seinen Schatz zu suchen, berichtet der Standard. Das Auktionshaus Sotheby's London wurde angeblich mit einer Schätzung beauftragt. Außerdem soll der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) ursprünglich bereit gewesen sein, die Kosten für den laufenden Betrieb des Museums in Klosterneuburg zu übernehmen, eine vernünftige Lösung, die wohl endgültig dahin ist. Die Kulturpolitik hat ihre Möglichkeiten verspielt, nun bestimmen die Händler den Lauf der Dinge. Bevor die Möglichkeit einer Fortführung der Institution, etwa im Verbund mit den Bundesmuseen, eingehend geprüft wurde, ließ die Politik Essl fallen. Der Neid auf die Reichen und der Hass auf die zeitgenössische Kunst bildeten dabei ein unheilige Allianz. Zur Anti-Essl-Fraktion gehörten große Teile der Kunstszene und die notorischen Gegen-die-da-oben-Raunzer.

Ein realistisches Szenario ist es, dass die besten Stücke verkauft werden und der unverkäufliche Rest in ein Depot wandert. Was mit dem prächtigen Museumsbau in der Nähe von Wien und den Mitarbeitern passiert, dafür haben Ostermayer, Pröll &Co wohl noch keinen Plan. Ein Denkmal für ihre Museumspolitik wird er eher nicht werden. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige