Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Die Schauspielerin Christine Neubauer besitzt die große Fähigkeit, die Wünsche und Sehnsüchte der Mittelschicht darzustellen, so auch in dem ARD-Film "Die Briefe meiner Mutter", wo sie sich in Chile gemeinsam mit ihrer Tochter auf die Suche nach deren Vater begibt. Neubauer spielt eine ehemals linksradikale Journalistin, die sich in Pinochets Folterkeller entscheiden musste, ihren Liebhaber und die Revolution nicht zu verraten oder zu überleben und nach Deutschland zurückzukehren. Sie wählte Letzteres und begründete den Entschluss damit, dass sie als Schwangere die noch ungeborene Tochter retten wollte. Man könnte die Entscheidung aber auch anders interpretieren: dass es sich nicht lohnt, für eine Idee zu sterben. Vielleicht ist Pinochet mit dem von ihm forcierten neoliberalen Wirtschaftsprogramm ja gar nicht so schlimm? So signalisiert Neubauer einem konservativen Publikum, dass es auch für eine Ex-Terroristin ein richtiges Leben im falschen gibt. F


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