Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Ein Brevier für den guten Ton

Steiermark | Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Als die neu gestaltete Annenstraße eröffnet wurde, lobten Bürgermeister Siegfried Nagl und andere Stadtverantwortliche die Buntheit der Straße als einen schönen Kontrast zur noblen Herrengasse. Sie priesen die künstlerischen Initiativen und die vielen kleinen Gewerbetreibenden mit unterschiedlichstem kulturellem Hintergrund. Stolz führten sie durch die einst florierende Einkaufsstraße, die heute als Teil des "Annenviertels" - ein Begriff, den der Kunstverein geprägt hat -vermarktet wird.

Man war verblüfft, dass es nach ihrem Geschmack war. Oder fanden Nagl & Friends ihre lobenden Worte bloß, weil große Handelsketten noch kein Interesse an der Annenstraße gezeigt hatten? Die Absage des dieser Tage geplanten Annenstraßen-Flohmarkts lässt vermuten, dass es die Stadt mit ihrem Bekenntnis zur Vielfalt so ernst wieder nicht gemeint hat. In einer Begründung der Absage taten die Veranstalterinnen ihren Unmut kund -ihnen seien bei Planungsgesprächen mit dem Straßenamt und dem Bezirksvorsteher persönliche Haftungen, Auflagen und Bedenken in einem Ton vermittelt worden, "der den Eindruck erweckte, () die Veranstaltung sei im Grunde unerwünscht".

Vielleicht war die Absage eine Überreaktion. Vielleicht hatten nur einzelne behördliche Vertreter einen schlechten Tag. Allerdings hört man von bürokratischen Hürden und mangelnder Wertschätzung für Bottomup-Initiativen nicht zum ersten Mal. Das Bürgermeisteramt könnte ein kleines Brevier für den Umgang mit kreativen Köpfen herausgeben - nicht selten gehen stadtbelebende Akzente gerade von solchen aus. Mit Verhaltensregeln hält man sich in der Stadt ja sonst auch nicht zurück. F


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