Die Schriftstellerin Eva Menasse über den verstorbenen Michael Glawogger

Feuilleton | EVA MENASSE | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Ja, verflucht, der Tod is t für die Zurückbleibenden natürlich immer gleich: Unglauben, Verzweiflung, Trauer und Wut. Aber den Satz "Michael Glawogger war ..." hinschreiben zu sollen, ist, auch Tage nach Eintreffen der Nachricht, einfach nur ein Skandal.

Zu Michael passt keine Vergangenheit. Michael war die Zukunft, vibrierende Energie, tickende Kreativität. Und er war auch eine Art Beschützer. Immer tausend Projekte am Laufen, immer tausend Ideen haben, tausend Leute kennen, aber wenn man ein lächerliches kleines Problem gehabt hat, dann hat ein kurzes E-Mail genügt, und er meldete sich telefonisch aus Bangkok.

So ein Problem war zum Beispiel die Frage, was man für eine Drehbuchbearbeitung verlangen könnte ("hoch einsteigen, die hauen dich am Schluss eh übers Ohr") oder ob ein bestimmtes Romankapitel in der Ich-Perspektive oder als Dialog zu schreiben sei. "Ich muss nachdenken", darauf Pause, eine ganze Minute lang. Danach plädierte er mit Verve für die erste Variante, soll heißen:


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