Mediaforschung Verführungskolumne

Manner und der Charme des goldenen Zahnrad-Zeitalters

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Fesche Damen in zuckerlrosa Kostümen wuseln zwischen glänzenden Kesseln, ihre Finger in weiße Samthandschuhe gepackt, auf ihrem Kopf ein schicker Hut. Sorgsam streuseln sie geriebene Nüsse über schokoglasierte Kekse, während sich hinter ihnen riesige Zahnräder aus Gold drehen. Für den neuen Manner-Spot hat die Agentur Demner, Merlicek und Bergmann eine Naschfabrik aus dem Märchenbuch der Jahrhundertwende erschaffen.

Man könnte jetzt mit Kritik anheben: Warum stehen in der Werbung wieder nur Frauen am Fließband, noch dazu mit Modelmaßen, während der einzige Mann ein Forscher ist, der sich der durchaus unwissenschaftlichen Frage hingibt: "Warum ist Manner Mio so beliebt?" Dickt man damit nicht wieder die Geschlechterrollen ein? Aber was will man schon miesepetrig kritisieren, wenn einem beim Zusehen förmlich der Geruch von warmer Haselnusscreme in die Nase steigt. Und Werbung ohnehin meist Klischees bedient.

Viel interessanter ist ja: Warum führt uns die Werbung in jene Zeit des Zahnrads zurück, verbannt die Welt der digitalen Automatisierung und baut auf Nostalgie? Franz Merlicek verkauft die 124-jährige Geschichte des Hauses Manner samt denkmalgeschützter Fabrik in Wien als Stärke: "Das ist eine Heritage, die andere Marken erfinden müssen, weil sie keine haben. Wir haben all das und machen es mit diesen Bildern erlebbar." Und ganz ehrlich: Liebevoll bestreuselte Schnitten schmecken auch besser als jene aus einer kühlen Maschine.


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