Theater Kritik

Per Autostopp zum Heiligen Gral

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Tankred Dorsts Parzival (Lucas Gregorowicz) ist kein Held. In David Böschs Inszenierung ist er ist ein Unwissender, der in dreckigen weißen Converse in die Welt hinauszieht, um Ritter zu werden und wahllos zu töten. Parzival ist der Junge, der allein mit seiner Mutter Herzeloide (Regina Fritsch) im Wald aufwächst und noch nicht einmal von Gott gehört hat. "Wenn du unter die Menschen kommst, bringen sie dich um", sagt die Grauhaarige zu ihrem Sohn, um ihn vor allem Unglück draußen zu bewahren. Was passiert demjenigen, der absolut nichts über die Welt weiß?, fragt sich Dorst in seiner Theaterfassung der Artussage.

Es herrscht Endzeitstimmung auf der Bühne von Patrick Bannwart. Der Wald ist eine karge, in Nebel gehüllte Ebene. In ihrer Kargheit bietet die Bühne viel Projektionsfläche und vor allem davon profitiert diese Inszenierung. Bannwart arbeitet mit Animationen; er projiziert das Weltall auf die Bühne, Blätter fallen von der Decke, Vögel fliegen durch die Luft. Zwischendurch wird Parzivals Geschichte in Videoanimationen und in Liedern (Musik: Bernhard Moshammer) erzählt. Fast könnte es da kitschig werden, zum Glück aber nimmt sich Böschs "Parzival" nicht so ernst und spielt mit einer Ästhetik, wie man sie aus Slasher-Filmen kennt: Leichen baumeln von der Decke, ein abgerissener Kopf rollt über die Bühne.

In Szenen, die wie âventiuren aufeinanderfolgen, trifft der grobe Antiheld auf seine Gegenspieler: Dietmar König ist ein witziger Sir Gawein und ein lustiger Teufel, Oliver Stokowski der nackte Heilige, der ein Pappkartonhaus auf dem Rücken trägt, und Daniel Jesch ein tänzelnder Sir Galahad, der mit Parzival darüber diskutiert, wer von ihnen beiden verrückter ist. Auch zum Schluss gibt es keinen Helden: Parzival bleibt in dieser Fassung ungeläutert.

Akademietheater, Di 20.00


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