Drinnen, draußen und dazwischen: Architektur und Kunst im Zusammenspiel

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 18/14 vom 30.04.2014

Wer über die grundsätzlichen Kategorien architektonischer Betätigung nachdenkt, dem sei ein Blick auf die sogenannten Schwesternkünste sehr empfohlen. Die ganze Neuzeit über arbeiteten sich Kunst und Architektur ja an weitgehend deckungsgleichen Problemfeldern ab. Was wären die klar geordneten Räume der Renaissance ohne Zentralperspektive? Wo bliebe die bewegte Plastizität barocker Baukörper ohne Michelangelo?

Die Ausstellung "In, Out and Art" im Forum Stadtpark widmet sich dem gegenwärtigen Verhältnis von Architektur und Kunst und benennt gleich vorneweg den Kernbereich der zeitgemäßen Auseinandersetzung: Seit Räume modern fließen, liegt er wohl in der Relation von In- und Exklusion, von Grenzziehung und Widerspruch. Daher steht in der Mitte des Ausstellungsraums ein von Claudia Gerhäusser, Franziska Hederer und Andreas Heller entworfenes, diskursorientiertes Sitzmöbel, das samt darüber hängendem Lichtschacht nicht nur die modernistische Vorliebe für atriumähnliche Situationen zitiert, sondern auch den Angelpunkt architektur- und kunsttheoretischer Raumdefinition markiert, also ein schwebendes Verhältnis von "innen" und "außen" verkörpert.

Da fällt es den ringsum platzierten, künstlerischen Arbeiten recht leicht, weiterführende Assoziationen beizusteuern, wenn sie den Verhältnissen von Positiv- und Negativform, von Figur und Raum, von Mensch und Proportion nachspüren oder ein wohlgeordnetes Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien und Texturen inszenieren.

Forum Stadtpark, bis 17.5.


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