SEX, POP UND PROLETARIAT

Eine grandiose Ausstellung zeigt die Vielschichtigkeit des Klassikers "Blow-Up", in dem sich ein Kommunist von der Kulturindustrie verführen lässt


VERGRÖSSERUNG: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Es ist der Film, auf den sich alle einigen können. Rockfans lieben die Szene, in der Jeff Beck von den Yardbirds seine Gitarre zertrümmert; Kunsthistoriker staunen über die klugen Verweise auf die Pop-Art, während sich Medientheoretiker vor dem Regisseur Michelangelo Antonioni verneigen, weil er die Frage aufwirft, wie technische Bilder unsere Wahrnehmung formen.

Der 1966 entstandene Film "Blow-Up" ist einer der raren Belege für die Popularität der Avantgarde in einem Moment, als Mode, Musik, Kunst und Kino die Zäune ihrer Disziplinen niederrissen, um eine große, intermediale Party zu feiern. Er zeigt, wie ein Kommunist sich vom Glanz der Kulturindustrie (beinahe) verführen ließ und wie das Swinging London das Versprechen kreativer Selbstverwirklichung in die subproletarischen Elendsquartiere von East London trug.

Welch großartiger Augenblick, als ein schwarzer, von einer Perforation gerahmter Filmkader zum Sujet eines kommerziellen Filmplakats werden konnte. Die wenigsten sahen

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