Ohren auf Soundkunst-Allerlei

Klänge können Geschichten erzählen

Feuilleton | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Alles ist Material. Es kommt nur darauf an, was man damit macht. Die Arbeiten des Wiener Elektronikmusikers Peter Kutin etwa basieren meist auf Field Recordings, die er von Reisen mitbringt. Und Kutin ist schon sehr weit gereist: Er war im Dschungel und in der Wüste, auf Gebirgsketten und in Kriegsgebieten. Das neue Album "Burmese Days" (Gruenrekorder) basiert auf einem Trip nach Myanmar. Offi ziell war Kutin als Journalist unterwegs -und obwohl das fertige Hörstück mit elektronischen Bearbeitungen traditioneller burmesischer Klänge fast ohne Worte auskommt, hat er beim Aufenthaltsgrund nicht geschwindelt: "Burmese Days" ist ein fesselnder Soundessay, der mehr erzählt als so manche TV-Doku.

Ganz anders gehen es der an sich als Songwriter bekannte Gitarrist Pieter Gabriel und der Cellist Lukas Lauermann als sphärisches Soundduo The Twentieth Century auf ihrem sehr schönen Debüt "The Twentieth Century" (Mosz) an. Die drei überlangen Stücke wurden jeweils live in einem Take aufgenommen. Stilistisch erinnern sie ein wenig an die gemeinsamen Ambient-Arbeiten von Brian Eno und Robert Fripp aus den 1970ern.

Material des erratischen Technoproduzenten James DIN A4 hat sich der deutsche Klangkünstler Jan Jelinek alias Farben angenommen. Das Resultat sind keine schnöden Remixe, sondern luftig-leicht groovende neue Tracks im Geiste der Musik des Kollegen. Das reflektiert auch der Titel: "Farben presents James DIN A 4" (Faitiche).

Schließlich legt mit Metalycée eine der besten und unbekanntesten Wiener Bands eine neue Großtat vor. Auf "Expat Blues" (Interstellar) verbindet das Quintett um Synthie-Mann Nik Hummer und Sängerin Melita Jurisic gewohnt harsche Sounds mit fast schon songmäßigen Strukturen; die Texte kreisen um Identität, Entwurzelung und zerrissene Biografien.

The Twentieth Century live: 12.5., 21 Uhr, mo.e


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