Am Apparat Telefonkolumne

Wie wollen Sie den Kapitalismus abschaffen, Frau Herr?

Politik | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Am Samstag wurde Julia Herr, 21, in einer Kampfabstimmung zur neuen Vorsitzenden der Sozialistischen Jugend (SJ) gewählt. Mit Herr steht der SJ erstmals in der 120-jährigen Geschichte eine Frau vor. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie erst vor wenigen Wochen durch einen Youtube-Clip bekannt, der zeigte, wie Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) sie beim SPÖ-Bundesparteirat unwirsch von der Bühne hinunterkomplimentierte.

Verdanken Sie der Popularität nach dem Bühnenverweis von Ministerin Heinisch-Hosek Ihren SJ-Vorsitz?

Nein. Es gab zwar 130.000 Views auf Youtube. Aber in der SJ wird man nicht wegen Youtube gewählt, sondern wegen Inhalten.

Schon jetzt geben Sie sich angriffi g. Sie fordern die SPÖ auf, die Koalition zu verlassen. Warum?

Die SPÖ ist derzeit in der Koalition mit der ÖVP nicht tragbar, weil sie ihre eigenen Grundsätze verrät. Sie rettet Banken und schnürt gleichzeitig ein Sparpaket, das etwa den Bildungsbereich und den Wohnbau trifft.

Was wollen Sie als SJ-Chefin erreichen?

Es geht darum, die SJ zu demokratisieren und mehr Leute einzubinden. Wir wollen in der SPÖ einen Linksruck erzeugen. Dafür müssen wir aktionistischer und in unseren Forderungen radikaler werden, uns auch wieder die Systemfrage stellen und den Kapitalismus direkt angreifen. Wir wollen geeint für eine Welt kämpfen, in der der Kapitalismus endlich abgeschafft wird.

Klingt nach einem großen Projekt: Wie wollen Sie ihn denn abschaffen?

Es dürfen am freien Markt nicht nur einige wenige profitieren. Wir müssen den Wirtschafts-und Finanzsektor unter soziale Kontrolle bringen. Banken zu verstaatlichen wäre ein Ansatz.

Da dürft e die SPÖ etwas dagegen haben.

In der SJ darf man sich niemals mundtot machen lassen. Wir brauchen Mut, nur so kann man die Welt verändern.

ANRUF: B. NARODOSLAWSKY


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