Verfrühtes Freilufttheater. Das TiB schifft sich nach Afrika ein

Steiermark | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Survivaltraining ist, wenn wir Lee White vom kanadischen Impro-Kollektiv CRUMBS glauben dürfen, eine Disziplin seiner Heimat. Liebevoll selbstironisches Outrieren und Biertrinken dagegen sind eher in Österreich daheim. Was auch in "Woods", der neuen Theater-im-Bahnhof-Produktion, die Oberhand behält, selbst wenn diese sich als "Romantic Survival Training" bezeichnet und im Freien zu erleben ist: zwischen Vogelgezwitscher und Gelsengesumm, ernsthaft bedroht vom täglichen Wetterbericht. Denn neben White sind die heimischen TiB-Darsteller Rupert Lehofer und Martina Zinner an Bord. Sie spielen in Jacob Banigans erster TiB-Regie Humphrey Bogart und Katharine Hepburn am Set von "African Queen".

Währenddessen schiffen sie sich auf einem Floß über den kleinen Weiher, der im romantischen Garten des Restaurants Lorenz liegt. Mit genialischer Leichtigkeit wird dabei der subkutane Patriotismus der einst vom österreichischen Emigranten Sam Spiegel produzierten Filmvorlage ins Gedenkjahr 2014 transferiert: eine Offtheater-Komödie als Vexierbild. Es gelte also drei oder vier vernetzte Handlungsstränge zu verfolgen, aber das ist nicht wirklich wichtig. Die drei Darsteller zelebrieren ihre Schrullen so virtuos, dass man sich fragen muss, ob das überhaupt noch erlaubt ist. Dürfen sich Schauspieler so richtig auf etwas draufsetzen, das auch noch Spaß macht? Klar doch! Ab jetzt werden wieder Diven und Dialekte imitiert. Und Betrunkene sowieso. Wenn's so charmant ist wie hier, will man nur eines: mehr davon! Und dann bitte wieder genau so.

Das Lorenz, Graz, Mi, Do 19.00


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