Mediaforschung Verführungskolumne

Wenn ein Plakat dem anderen ein Schnippchen schlägt

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Der größte anzunehmende Unfall in der Inseratenplatzierung geschah im Jänner 2006 in der norddeutschen Landeszeitung Lüneburg. Dort erschien ein Artikel über die Vernichtung der Sinti durch die Nationalsozialisten mit dem Titel "Von Lüneburg nach Auschwitz", und gleich darunter war ein riesiges Inserat des größten deutschen Energiekonzerns mit dem Slogan abgedruckt: "E.On sorgt schon heute für das Gas von morgen!"

Werbung funktioniert im Kontext, es ist also nicht nur wichtig, was auf, sondern auch was neben der Reklame zu sehen ist. Wie das Zusammenspiel von Plakaten wirkt, kann man derzeit im 20. Wiener Bezirk betrachten. Etwa in der Nordwestbahnstraße, wo zwei Freiheitliche neben dem Slogan "Jetzt g'spritzt" zu sehen sind (siehe Bild der Woche, S. 9). Oder nur ein paar Meter weiter, in der Nordbahnstraße, auf den Werbeflächen, die die ÖBB vermieten. Dort prangt ein Raiffeisenbank-Sujet, und rechts daneben werben die Grünen mit dem Spruch: "Lieber Menschen retten als Banken."

Wie kann das passieren? Zum konkreten Fall wollen die ÖBB nichts sagen, antworten deshalb allgemein. "In der Praxis üblich ist die Buchung eines ganzen Netzes von Plakatstellen, wo eine absolute Kontaktmenge gebucht wird, der exakte Standortwunsch für den Kunden aber untergeordnet ist", sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Werbeflächen können bei den ÖBB auch standortbezogen gebucht werden, allerdings erfolgt hier keine Abgleichung mit anderen Werbebuchungen auf benachbarten Flächen." Blöd für Raiffeisen. Gut für die Grünen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige