Film Neu im Kino

Spaß mit Kafka: ein Studentenulk

Lexikon | WK | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Kurt Palm ist bestimmt kein Kiffer. Dabei ließe nicht nur der Titel seines zweiten Spielfilms darauf schließen, dass bei der Herstellung illegale Substanzen im Spiel waren. "Kafka, Kiffer und Chaoten" handelt von fünf Langzeitgermanistikstudenten, die eine Seminararbeit über Franz Kafkas Erzählung "Der Landarzt" verfassen sollen. Sie beschließen, während ihres Campingurlaubs auf Sizilien einen "Landarzt"-Film zu drehen ,an dem auf wundersame Weise auch Kafka selbst mitwirken wird. Weil die WG-Bewohner keine Filmerfahrung haben, suchen sie professionelle Hilfe. Weil sie aber auch kaum Geld haben, finden sie nur Wichtigtuer wie den ewigen Undergroundfilmer (Hubsi Kramar) oder den Theatermimen (Florentin Groll), der sein Talent längst in Alkohol ertränkt hat und nur finanziell stets auf dem Trockenen sitzt.

Solche liebevoll überzeichneten Milieukarikaturen gehören zu den heiteren Seiten des Films. Weniger lustig sind die extrem gekünstelten filmischen Gags, die Palm sich ausgedacht hat: Im Hörsaal laufen Hühner frei herum, nach einem Besuch bei der "Kleinen Filmförderung" wird das Ministerium auf einmal zur Musicalbühne, auf einem Wiener Markt findet unvermittelt eine Bollywood-Choreografie statt und so weiter. Die Besetzung kann sich sehen lassen: Franz Schuh (als Professor), Karl Ferdinand Kratzl (als Filmproduzent, der auf einer Themenparty als Weißer Hai geht), Theater-Brett-Prinzipal Ludvík Kavín (als Pilsener Filmfestivaldirektor) und Hermes Phettberg (as himself) haben hübsche Cameo-Auftritte, in den Hauptrollen sind erste Kräfte aus der Wiener Mittelbühnenszene zu erleben, darunter Karin Yoko Jochum, Christian Strasser sowie die Schauspielhaus-Stars Max Mayer und Steffen Höld.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los: Der Film, der von einem Studentenulk erzählt, ist selbst einer. Vor dem Besuch wird zum Genuss verbotener Rauchwaren geraten. Ab Fr in den Kinos


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