Vorträge Tipp

Zwei Abende mit Alfred Brendel

Lexikon | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Vor mehr als fünf Jahren hat sich der Pianist Alfred Brendel von den Konzertpodien verabschiedet. Aber nicht von den Podien: Er trägt seine Gedichte vor und hält Vorträge zu musikalischen Themen. Diese Vorträge behandeln Themen, mit denen er sich auch in seinen Büchern über Musik auseinandersetzt. Theoretisch, aber auch praktisch: die Notenbeispiele werden durch kurze musikalische Beispiele am Klavier ersetzt. Wenn der Pianist die Hand von der Tastatur nimmt, stöhnt das Publikum erinnerungsekstatisch auf.

Alfred Brendel hat, auch wenn er nicht mehr Klavier spielt, nie aufgehört, sich musikalisch weiterzuentwickeln. In seinem Kopf arbeite er immer weiter an Stücken, die ihm wichtig seien, sagt er. Das An-Sich-Weiterarbeiten war ja das Kennzeichen seiner pianistischen Karriere, die sich exemplarisch ausweitete, indem sie sich auf ein scheinbar engeres Repertoire konzentrierte, auf jenes der Wiener Klassik und einiger Romantiker.

Seinen ersten musikalischen Vortrag in Salzburg 2009 eröffnete er übrigens mit einer Passage aus Schönbergs Klavierkonzert, das er in vier Kontinenten als erster aufgeführt hatte. Schönberg diente Brendel als Beispiel dafür, wie man die Passage missversteht, wenn man das zugehörige Motto "Life was so easy"nicht kennt. Er war als Pianist viel mehr als jener Museumswärter der Klassik, als den er sich einmal ironisch selbst bezeichnete.

In der ersten seiner Wiener Vorlesungen spricht Alfred Brendel über Franz Schuberts letzte drei Klaviersonaten, in der zweiten (19.5.) steht sein aphoristisches Brevier "A bis Z eines Pianisten" (Hanser Verlag) im Mittelpunkt. An beiden Abenden ist mit jener Kombination von Weisheit mit Witz zu rechnen, die zur Charakteristik der Kunst Alfred Brendels gehört, egal ob er sie uns im Medium des Konzerts, der Lesung oder des Vortrags bietet. AT Konzerthaus, Mozart-Saal, Do 19.30 (2. Termin: 19.5.)


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