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Falter & Meinung | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Es ist schwierig, jemanden auf politisch korrekte Weise verächtlich zu machen. Schnell einmal geht das Tertium Comparationis nach hinten los, und man steht als Verächter der postklimakterischen indigenen Bevölkerung Amerikas da. Erst recht muss man aufpassen wie ein/e Haftlmacher_In, wenn es Co-Kreaturen zu loben, mit Zuneigung zu behängen oder Wertschätzung zu umkränzen gilt. Hebt man äußerliche Vorzüge hervor, hat man den/die Betreffende/n wegen Ignorierung innerer Werte gekränkt, betont man das G'scheithaubenhafte einer Person, fühlt sie sich am Ende erotisch nicht hinreichend wertgeschätzt.

In schlichten Zeiten konnte sich eine "klasse Oide" oder ein "leiwander Beidl" der freundlichen Zugeneigtheit, die die Wahl solcher Epitheta verriet, noch aufrichtig erfreuen, ohne dass der Gerontophobievorwurf erhoben oder der Verdacht entsichert wurde, man würde auf seine primären Geschlechtsorgane reduziert, ja mit diesen gleichgesetzt werden. Mittlerweile gilt die Synekdoche als eine Trope des Teufels, die es erlaubt, Zwietracht unter siegreiche Softballteams zu säen, nur weil man unbedacht und -differenziert die Leistung der "Grammatneusiedler" gepriesen und damit eine Debatte ausgelöst hat, ob denn die Ebergassinger im Team ohnedies "mitgemeint" seien. Ich erkläre das alles nur, um meinen Hinweis darauf, dass Wurmdobler als stylish gekleideter Trompeter der Musikarbeiterinnenkapelle unlängst sehr gute Figur gemacht habe, hinreichend zu kontextualisieren: Selbstverständlichen schätze ich ihn auch pudelnackig und abseits aller Musikausübung sehr.


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