Pop Tipp

Wolfgang Möstl, Austro-Noisepop-Wunderwuzzi

Lexikon | aus FALTER 19/14 vom 07.05.2014

Fragt man den in Wien lebenden steirischen Musiker Wolfgang Möstl nach seinen Lieblingsplatten, bekommt man eine für einen Indierocker überraschende Antwort. Neben den nahe liegenden Sonic Youth ("Experimental Jet Set Trash and No Stars") und den Krawallbrüdern Unwound ("Repetition") reiht er gleich zweimal Pink Floyd unter die Platten, von denen er glaubt, dass er sie auch in 50 Jahren noch gut finden wird. Doch weder handelt es sich dabei um das mit Syd Barrett entstandene Frühwerk, noch um das unter Distinktionsgewinnlern beliebte freie Gedaddel von "Ummagumma". Möstl, der heuer seinen 30. Geburtstag feiert, nennt vielmehr "Meddle" und -"The Wall", jenen Konsens-Bombast-Kaugummi, der der allgemeinen Lehrmeinung zufolge eigentlich das kreative Ende von Pink Floyd bedeutet. Die allgemeine Lehrmeinung interessiert Möstl freilich ebenso wenig wie Hipsterquatsch oder Distinktionsgewinnlertum. Die Platte taugt ihm eben, aus, fertig.

Vor einer Dekade etwa tauchte der Musiker aus dem Umland von Weiz, der inzwischen regelmäßig als Produzent für andere Bands tätig ist und sich auch als Instrumentenbauer einen Namen gemacht hat, mit der Gruppe Killed By 9V Batteries auf. Aus einem Haufen junger Männer, die mit Nirvana im Herzen mehr oder weniger melodiösen Krach im Zeichen des Neo-Grunge schlugen, wuchs über die Jahre eine wunderbare Noisepopband, die sich an der Indie-Ästhetik der 1990er-Jahre orientiert, ohne dabei zur reinen Retrokapelle zu werden. Möstl hat seine (Gitarren-)Finger unter anderem auch bei der geistesverwandten Wiener Band Sex Jams im Spiel, und vor allem gibt es da noch Mile Me Deaf. Einst als Soloprojekt respektive Schublade für Skizzen und Lo-Fi-Spielereien aller Art gestartet, ist MMD mittlerweile zu so etwas wie Möstls Hauptband gewachsen. Das neue, zweite Album "Holography" ist sein bisheriges Meisterstück; die Mischung aus Angriffslust und Larmoyanz, süßer Melodie und rauer Oberfläche klingt, als wären die US-Popslacker Pavement nach "Wowee Zowee" nicht Richtung gepflegter Langeweile abgebogen, sondern hungrig, verspielt und kreativ geblieben.

Die Plattenpräsentation teilen sich Mile Me Deaf mit dem Artrocktrio Bulbul, das ebenfalls ein exzellentes neues Album vorzustellen hat. GS Ernst-Kirchweger-Haus, Fr 21.00


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