Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Oh mein Gott, wir haben Bettler!

Steiermark | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Das Thema Betteln ist wieder einmal explodiert, und geredet wird darüber oft, als hätte man sich eine Schädlingsplage aufgerissen, jedenfalls etwas, wogegen mit aller Härte vorzugehen ist. Die Krone beschwört mit dem Ausdruck "Flut" das Bild einer Naturkatastrophe, der mit Dämmen Einhalt geboten werden muss; folgerichtig werden in Salzburg Brücken vergittert, unter denen Bettler geschlafen haben. Die Diktion ist aggressiv, es wimmelt nur so von "dunklen Hintermännern" und "Horden". Graz empört sich aktuell über Bettler, die Autofahrer an Kreuzungen um Geld bitten.

Die Fakten schauen zumindest in Graz so aus: Ja, es gibt Bettler, die aufdringlich um Geld fragen oder mit Krücken an Autofenster klopfen. Doch es ist eine kleine Minderheit, wie Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter betont. Obgleich die Polizei immer wieder Schwerpunktaktionen startet, kam es im gesamten ersten Quartal zu 29 Anzeigen. Kann das wirklich eine Stadt, in der sich täglich 450.000 Menschen aufhalten, erschüttern?

Auch ausbeuterische Hintermänner existieren in Graz höchstens als Randphänomen. Von den Pendlern aus dem slowakischen Hostice, die seit Jahren in Graz betteln, ist hinlänglich bekannt, dass sie damit sich und ihre Familien durchbringen. Bei den neueren Gruppen aus Rumänien handelt es sich laut Armenpfarrer Pucher, Caritas wie Polizei vorwiegend um Großfamilien, die vor allem die Frage umtreibt, wie sie auch Eltern oder Geschwister durchbringen. Vereinzelten Verdacht auf Ausbeutung gibt es laut Polizei am ehesten bei manchen Bettlern mit Behinderung. Dagegen gibt es Gesetze. Diese möge man exekutieren und die Täter hart bestrafen. Und sonst niemanden. F


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