Seinesgleichen geschieht Der Kommentar des Herausgebers

Wurstland: Wir kennen uns nicht mehr. Macho-Diktatoren aller Länder, zittert!

Falter & Meinung | VON ARMIN THURNHER | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

A lle dachten, Jesus sei erschienen, sagte die befreundete slowenische Lehrerin im kleinen Bergdorf, mit der ich als Erster über das Phänomen Wurst sprach. Die Homosexualität und das Dragqueentum des Tom Neuwirth waren ihr nicht so wichtig; was sie beeindruckte, war die Kraft dieser Erscheinung. Sie empfand keine urbanen Triumphgefühle ("unser Leifsteil" versus die Homophobie aller Rechten mit schwarzer Erde an den Stiefeln), sie empfand Andacht. Conchita Wurst ist Jesus.

Ich muss zugeben, als ich 2011 Wursts Auftritt bei der "Großen Chance" sah, ging es mir ähnlich. Ein kleiner Schauer überkam mich angesichts der starken Präsenz dieser Figur, bei der die gute Stimme, der Bart, die Wimpern und die Haare so erstaunlich kontrastieren und doch zusammenwirken. Es war kein emanzipativer Schauer, den ich spürte. Oder doch? Du siehst unsere Zukunft, sagt meine Frau damals. Sie klang verdächtig andächtig.

Ja, eh, eine Dragqueen, wurde ich schnell aufgeklärt. Andy Warhols Dragqueenfilm


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