Festwochen Kritik

Der Sänger Orfeo und seine Eurydike im Wachkoma

Lexikon | HR | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Der auf leerer Bühne alleine Stehende, dessen schöner Gesang in Altlage Glucks "Orfeo ed Euridice" beherrscht, trauert um seine Frau. Während des ersten Aktes erfährt man - was die Musik eher stört -auf Textzeilen auf schwarzer Leinwand die Lebens-und Krankengeschichte der "zweiten" Eurydike, einer 25-jährigen Tänzerin, die nach einem Herzstillstand seit drei Jahren im Koma liegt. Die Klinik und den Weg zu ihr sieht man im Film. Besonders, als Orfeo in der Unterwelt Eurydike findet und sich mit ihr auf den Weg zurück machen kann, sieht man die Frau manchmal scharf, wie sie mit Sony-Kopfhörern versehen die Oper live verfolgt, ihr Gesicht und die Bewegungen ihrer geöffneten Augen. Das wäre an der Grenze zum Voyeurismus, ist es aber dann doch wieder nicht.

Museumsquartier, Halle E, Fr, So 19.30


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