Kunst Kritik

Unentschieden: Antikriegskunst und Propaganda

Lexikon | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Im Gedenkjahr an den Beginn des Ersten Weltkriegs will sich auch das Leopold Museum nicht lumpen lassen, schließlich verfügt es über ausreichend Kunst, die in jener Zeit entstanden ist. Unter dem Titel "Trotzdem Kunst! Österreich 1914-1918" wird nun ein Hybrid von einer Ausstellung gezeigt, die sich zunächst als dezidierte Kriegsausstellung geriert, dann zur Sammlungspräsentation übergeht und schließlich noch Arbeiten von Zeitgenossen aus den "ehemaligen Kronländern" zusammenwürfelt.

Der große Saal im Souterrain macht durchaus Eindruck. Hier bildet das infernalische Schlachtenbild "Finale" von Albin Egger-Lienz, das nur nackte Leichen in Lehmfarben darstellt, einen Kontrapunkt zum stolzem "Kaiserschützen" von Alfons Walde. Neben historischen Filmaufnahmen sind Dokumente wie der Entwurf zum nach Kriegserklärung publizierten Kaiserbrief "An meine Völker" oder die originale Sterbeurkunde des ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau. Mit einer Reihe von kleineren Werken und mit Plakaten streift die Schau leider nur das bis heute nicht richtig aufgearbeitete Kapitel des propagandistischen k.u.k. Kriegspressequartiers, das auch "Kriegsmaler" für sich verpflichtete. Ein wenig bekannte Phase aus der Biografie von Egon Schiele zeigt jener Raum, der sich seinem Dienst in einem Kriegsgefangenenlager widmet, wo er das Elend russischer Soldaten mit Porträts sichtbar machte. Schieles Briefe und seine Zeichnungen von Lagerräumen belegen, wie weit er aber von den Kriegsschrecken tatsächlich entfernt war. Darauf folgen mehrere Säle mit Gemälden und Zeichnungen, darunter viele Sammlungshighlights, die in den Kriegsjahren entstanden sind, aber oft nicht mal im Entferntesten mit der Thematik zu tun haben; einzig auf Anton Koligs Soldatenbilder wird noch genauer eingegangen. N S Leopold Museum, bis 15.9.


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