Am Strand

Ein neues Fischlokal, das auch nur mit Fisch kocht, aber trotzdem anders ist

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ich hätte da jetzt schon gern vom Big Smoke am Donaukanal berichtet, da die aber erst am Montag um 17 Uhr die Öfen anheizen, ging sich das nicht aus. Auch egal, kommt’s halt nächste Woche, und inzwischen ein ganz neues Fischlokal an der Linken Wienzeile. Sie werden jetzt sagen: Wäh, Fischlokal Naschmarkt, nicht schon wieder, hängt uns schon ur zum Hals raus, bitte, fad! Und auch wenn ich diese Reaktion natürlich verstehe, so möchte ich doch ins Treffen führen, dass Sie mit dieser Anti-Haltung da ganz schön saftig auf dem Holzweg sind.

Denn das Fischparadies hat zwar definitiv nicht den besten Namen abbekommen, den man sich vorstellen kann, und auch gestalterisch hätte man durchaus anders agieren können, als diese Displays der Griechenland-Werbung mit den Santorin-Motiven aufzuhängen beziehungsweise hängen zu lassen. Aber: Das ist völlig egal, denn hier läuft das mit dem Fischessen anders ab als sonst.

Die Ware – alles von außerordentlicher Schönheit, dreimal pro Woche frisch direkt aus Rimini und Kroatien angeliefert – kommt nämlich auf ein großes, mit Eis belegtes Pult, daneben steckt ein Schild mit den Preisen pro Dekagramm oder pro Stück, man kauft den Fisch und die Meeresfrüchte und lässt sie sich grillen, braten, frittieren oder panieren.

Dieses System ist etwa in Thailand sehr beliebt und füllt dort Restaurants in der Größe von Stadthallen, etwa das Seafood Market („if it swims we have it“), wo man mit dem Einkaufswagerl an einer endlosen Fischtheke entlangrollt, seinen Augen nicht traut und einpackt, was einem am besten gefällt, das dann bei der Kassa bezahlt, einen Zubereitungswunsch abgibt und recht bald serviert bekommt.

Die Eistheke im Fischparadies ist natürlich kleiner, aber was da draufliegt, kann sich sehen lassen: Meeräsche und Knurrhahn sind nicht alltäglich, es gibt Scampi in zwei Größen und einer Frische wie in Wien sonst selten, und die wunderbaren Wellhornschnecken hat man in dieser Stadt überhaupt schon lang nicht mehr gesehen. Alles da, und Schwertmuscheln, Vongole, Glattbutt, wunderschöne Seezungen, Schollen. Will man alles haben.

Und man kann sich auch alles leisten. Eine gemischte Portion Wellhornschnecken und Strandschnecken, in Fischsuppe gegart und mit selbstgebackenen Weckerln serviert, kam auf sieben Euro. Ob die drei gegrillten Scampi – frisch, süß und wunderbar – tatsächlich nur 55 Cent pro Stück kosteten oder ob das ein Irrtum war, habe ich nicht gefragt. Gegrillter Baby-Oktopus, auch sehr gut (€ 4,50), und der panierte Knurrhahn konnte auch was (€ 14,–). Die Leute seien noch verunsichert, sagt Johnny Cheng, dessen Familie in Rimini schon ein Restaurant führt, weshalb er auch eine Fixkarte ins Angebot nahm. Diese Leute kümmern uns aber nicht. Diese Leute tun uns in ihrer Verunsicherung vor der Fülle des Angebots leid.

Resümee:

Fisch essen, wie wir es an anderen, schönen Plätzen, die vorzugsweise am Meer liegen, lieben. Einfach nehmen, was einem gefällt.

Fischparadies
6., Linke Wienzeile 20
Tel. 01/581 24 86
tägl. 11–23 Uhr


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