Der Truffaut von Taiwan

Die Wiener Festwochen bringen die Filme des Meisterregisseurs Tsai Ming-liang ins Stadtkino

Feuilleton | WERKBESCHAU: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Wenn es in den Filmen von Tsai Ming-liang einmal nicht schüttet, so tropft unter Garantie irgendwo ein Wasserhahn oder es bahnt sich gleich eine Überschwemmung an. Wie im klassischen Melodram, so hat Wasser auch im Kino des taiwanesischen Meisterregisseurs eine sexuelle Konnotation, öffnen sich bei Regen gern die Schleusen der Gefühle oder werden Tränen des Eros vergossen.

"Dong" (1998), eine Endzeitstimmung in Grau und Pink, steht programmatisch für Tsais filmisches Schaffen. Taipeh scheint von einem mysteriösen Virus heimgesucht zu werden, die halbe Stadt droht im Dauerregen zu versinken, und in einem Apartment des anonymen Wohnblocks, der der einzige Schauplatz des Films ist, tut sich ein Loch im Fußboden auf, durch das zwei junge Leute schließlich zusammenkommen. Dazwischen gibt es, quasi als surrealistischen Kontrapunkt, aufwendig in Szene gesetzte Musicalnummern.

"Das Kino", meinte Tsai Ming-liang einmal, "hat seinen eigenen Realismus. Die Welt im Kino ist nicht die Welt da


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige