Mediaforschung Verführungskolumne

Wie antwortet man auf Dirty Campaigning, Herr Horak?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Die Grünen haben ein Video zur EU-Wahl produziert, es zeigt alle Parteichefs als vertrottelte Kinder. Also alle bis auf Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Neos-Chef Matthias Strolz besetzten die Grünen etwa in der Rolle des grenzdebilen Zappelphilipps. Um sich weiter von den Neos abzugrenzen, verbreiteten die Grünen ein zusätzliches Video, das zehn Unterschiede zwischen den Ökos und den Neos aufzählt. Dass die Grünen dabei die Wahrheit gehörig dehnen, ist wohl der Ungenauigkeit des Wahlkampfs geschuldet.

Die Neos machen nervös, auch die ÖVP. Zum Wahlkampfauftakt der pinken Partei Anfang Mai verteilten die Schwarzen in der Stadt Luftballons im Neos-Design, auf denen stand: "Das Programm der Neos zur Europawahl: Nur heiße Luft!" Wie reagiert man da als neue Partei, die mit einem "neuen politischen Stil" hausieren geht?

Mit einem neuen politischen Stil. Anstatt wie Grüne und ÖVP mit Dreck zu schmeißen, antworteten die Neos spontan mit einem Video, in dem sie den Grünen und der ÖVP für ihre politischen Errungenschaften danken. "Wir haben versucht, möglichst objektiv an die Sache ranzugehen", sagt Michael Horak, der das Neos-Video umsetzte, "und wir waren extrem überrascht, wie cool das aufgenommen wurde."

Im Video heißt es etwa: "Nachhaltigkeit - die Grünen haben Bewusstsein geschaffen." Oder: "Die ÖVP hat Wohlstand geschaffen."

Und mit einem Schlag standen Grüne und Schwarze da wie vertrottelte Kinder.


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