Am Apparat Telefonkolumne

Was läuft falsch in unseren Kinderheimen, Herr Kräuter?

Politik | INTERVIEW: R. EISENREICH | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Untragbare Zustände", "in menschenrechtlicher Hinsicht nicht akzeptabel": Die Volksanwaltschaft hat im vergangenen Jahr 84 Jugendheime und -WGs besucht, einige davon kritisiert sie in ihrem aktuellen Jahresbericht heftig. Volksanwalt Günther Kräuter (SPÖ) erklärt die Hintergründe.

Herr Kräuter, in wie vielen der besuchten Heime gibt es gröbere Missstände?

Ich möchte da sehr allgemein bleiben, aber wir reden nicht nur von zwei, drei Heimen. Es ist ein Prozentsatz, der strukturelle Missstände offenbart.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Bestimmte Maßnahmen, die offenbar zur Bestrafung dienen sollen, hätten wir nicht für möglich gehalten -etwa Gruppenstrafen oder dass Kontakte zu den Eltern gestrichen werden. In einem Heim hat man den Jugendlichen zur Strafe das Betreten der Einrichtung verboten, das ist völlig absurd.

Waren Sie selbst vor Ort?

Nein, das machen Kommissionen mit ausgewählten Expertinnen und Experten aus bestimmten wissenschaftlichen Gebieten. Die schreiben dann Protokolle für die Volksanwälte.

Was sind die Gründe für die Probleme?

Es geht fast immer um die finanzielle Ausstattung und die Qualität der Betreuung. Da muss man aber differenzieren, es gibt auch vorbildliche Einrichtungen und Teams, die sich weit über das Normale hinaus engagieren. Und wir reden da von sehr schwierigen Fällen, von meist schwer traumatisierten, oft auch gewalttätigen Jugendlichen. Natürlich ist es nicht einfach, da die richtigen Angebote zu machen.

Was muss geschehen, damit sich die Lage verbessert?

Meine Hauptforderung ist, dass die Gruppengröße überall einstellig werden muss. Das ist auch eine finanzielle Herausforderung für die Länder. In manchen Bundesländern sind noch bis zu 15 Jugendliche in einer Einheit, das sind einfach zu viele.


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