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Stadtspiel

Falter & Meinung | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Mit dieser Idee könnte man heute noch punkten. Thomas Seifert und Peter Fleissner, TU-Professor für Kybernetik, konfrontierten drei potenzielle Bürgermeister mit einem Computersimulationsspiel namens "Sim-City"."Wollen Sie sich mit den Stadträten Bernhard Görg, Hannes Swoboda und Christoph Chorherr messen? Kein Problem -alles, was sie brauchen, ist ein Apple-oder IBM-kompatibler Computer mit Farbbildschirm. Und natürlich das Spiel 'SimCity2000'. Falls Sie einen Apple haben, sollte es schon etwas Besonderes sein, für IBM-User gilt: Sie benötigen mindestens einen 386er mit 4 MB Hauptspeicher und eine VESA-kompatible Grafikkarte, damit Sie das Klatschen der Menschen bei tollen Leistungen, Baulärm beim Errichten der Straße und das Rumoren beim U-Bahn-Bau hören können, benötigen Sie zudem eine Soundkarte."

Die Ergebnisse des Spiels waren weniger verblüffend. Bernhard Görg schuf einige Kraftwerke - ein Techniker hatte ihm einen Trick verraten: Er errichtete einen Wasserfall und gewann extra viel Energie -und ein florierendes Transdanubien. Hannes Swoboda konzentrierte sich auf den öffentlichen Verkehr, erfand ein funktionierendes Busnetz und lockte täglich 573 SimWiener in die U-Bahn. Chorherr wurde von den Sim-Wienern geliebt (!), verwirklichte ein ökologisches Konzept, kam auf das beste Verhältnis von Industrie-zu Dienstleistungsarbeit (1,13:1), vernachlässigte aber das Wirtschaftswachstum.

Ein rätselhaftes ganzseitiges Inserat wies auf die kommenden EU-Wahlen hin, enthielt aber auch prophetische Anklänge auf Kommendes, auf die unselige Glühbirnenverordnung nämlich. Auf schwarzem Grund standen da nur, in Versalien und Weiß, die Worte "FREUHEUT, GLEUCH-HEUT, LEUSTUNG", die EUs jeweils fett gesetzt. In der linken unteren Ecke des schwarzen Rechtecks stand klein "Nein zu EU". Ein kleines hochgestelltes "Anzeige" am Rand des Inserats stellte klar, dass es sich um eine bezahlte Anzeige handelte. Wer sie bestellt und bezahlt hat, weiß der Chronist aber nicht mehr zu sagen. AT


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