Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Stiegls Freibier

Ein alkoholfreies Bier, verdächtig und gut

Stadtleben | MS | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Bier ohne Alkohol, das ist vielen gestandenen Biertrinkern eine verdächtige Angelegenheit. Wenn man für kurze Zeit die Vorbehalte ablegt und sich das neue alkoholfreie Bier der Salzburger Brauerei Stiegl mit der etwas affigen Bezeichnung "Freibier" vorknöpft, dann könnte man aber eines Besseren belehrt werden.

Irgendwo macht sich natürlich der praktisch nicht vorhandene Alkohol geschmacklich bemerkbar, und zwar in einem etwas wässrigen Abgang. Aber sonst ist alles da, die hopfige Bitterkeit und der süßlichmalzige Geschmack. Selbst eine, wenn auch vergleichsweise kleine, euphorische Wirkung stellt sich ein. Ob das mit dem minimalen Alkoholgehalt zu tun hat, ein Placeboeffekt ist oder vom erfrischenden Zusammenspiel der nichtalkoholischen Ingredienzien herrührt, kann nicht ausgemacht werden. Also, es herrscht Zufriedenheit ob dieser neu auf den Markt geworfenen Erfrischung.

Aber, Hand aufs Herz, würden Sie ihrem Kind alkoholfreies Bier zu trinken geben? Objektiv betrachtet spricht eigentlich nichts dagegen. Der Alkoholgehalt eines naturtrüben Apfelsafts ist fast höher als der eines alkoholfreien Biers. Die Frage lautet bloß, bringt man Kinder nicht schon auf eine alkoholische Fährte, wenn sich Geschmack und die Flasche bereits an den Dingen der Erwachsenen orientieren? Vielleicht ist es ja so, dass der Reiz des Verbotenen dadurch geschwächt wird und die Gefahr eines zur Verlotterung tendierenden Lebens gebannt ist? Fragen, auf die es nur subjektiv getränkte Antworten gibt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige