Kommentar Justiz

Warum der Haftantritt eines Promis keine Story wert ist

Falter & Meinung | FLORIAN KLENK | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Vergangene Woche sah man auf ORF. at das Bild eines einsamen älteren Herrn. Er stand mit zwei Taschen vor dem Tor der Justizanstalt Klagenfurt. Es war der ehemalige stellvertretende Landeshauptmann und Kärntner ÖVP-Chef Joseph Martinz. Jetzt verwandelte er sich in einen Strafgefangenen. Tiefer kann ein Mensch nicht fallen.

In diesem sehr privaten und persönlichen Moment wurde Martinz von den Medien aufgelauert.

Am selben Tag druckte die Zeitung Österreich auch noch ein Bild jener Zelle, in die der ehemalige Starbanker Wolfgang Kulterer eingewiesen wurde. Kulterers Matratze, betonte das Blatt, sei "dünn".

Und dann ist da noch dieses Bild von Ernst Strasser, das die Grünen derzeit plakatieren. Man sieht den ehemaligen Innenminister vor dem Großen Schwurgerichtssaal, und darüber steht "Menschen statt Lobbys". Strasser hatte im Gerichtssaal gerade eine dreieinhalbjährige (nicht rechtskräftige) Haftstrafe ausgefasst. Offenbar ist er in den Augen der Grünen jetzt kein Mensch mehr.

Es schwingt etwas Archaisches mit in all diesen Bildern. "Ein Urteil ist kein Freibrief für Späher und Spanner, es ist auch kein Erlaubnisschein zur Befriedigung von Sensationsgeilheit", schrieb der Justizkritiker Heribert Prantl kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, als es um die Frage ging, ob man Bilder aus der Zelle von Uli Hoeneß bringen dürfe.

Nein. Darf man nicht. Ein Häftling ist kein gefangenes Tier, sondern ein Mensch. Mit dem Urteil ist der Rechtsfriede wiederhergestellt, der Vollzug dient der Bestrafung. Die ist in einer entwickelten Demokratie kein öffentlicher Akt. Die Zeit der Hinrichtungen auf dem Richtplatz ist vorbei. F


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