Im Gitter des Körpers

Zum Tod von Maria Lassnig, die mit ihren Empfindungsbildern zu einer der großen Malerinnen der Gegenwart aufstieg

Feuilleton | NACHRUF: GÜNTHER HOLLER-SCHUSTER | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014

Maria Lassnigs Kunst ist faszinierend und verstörend zugleich. Obwohl sie vom scheinbar Nächsten, dem menschlichen Körper, handelt, verunsichert und befremdet sie den Betrachter. Lassnig spricht ihn direkt an, fordert ihn, wie sie sich selbst in höchstem Maße gefordert hat -"Du oder ich", ein Bild, in dem sich die Künstlerin eine Pistole selbst an die Schläfe setzt und die andere auf den Betrachter richtet, bezieht diesen ein ins Bild, macht ihn selbst zum Bild.

Maria Lassnig wurde 1919 in Kappel am Krappfeld in Kärnten als lediges Kind geboren. Im bäuerlichen Milieu erlebte sie die Kargheit des Landlebens, das sie bis zuletzt prägen sollte. Ihre Mutter holte die Sechsjährige nach Klagenfurt, um dem Kind eine bürgerliche Ausbildung bei den Ursulinen zu ermöglichen.

Lassnig war in dieser Zeit "sprachlos", wie sie später einmal sagte. Sie wusste sich nicht auszudrücken, zeichnete viel, darunter ein Bild der Mutter, ihrem kosmischen Zentrum. Es ist ein erstes Bild emotionaler


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