MUT ZUR LÜCKE

Stadtzentren werden immer begehrter und teurer. Also werden Baulücken, Hinterhöfe und Supermarktdächer auf ungeahnte Wohnqualitäten abgeklopft. Was Nachverdichtung kann, zeigt das Festival Architekturtage an diesem Wochenende

Stadtleben | HÄUSERSCHAU: MAIK NOVOTNY | aus FALTER 20/14 vom 14.05.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kein ideales Zuhause für Klaustrophobiker: Das Haus, das der polnische Architekt Jakub Szczęsny vom Büro Centrala 2012 in Warschau der Öffentlichkeit vorstellte, misst an seiner breitesten Stelle 152 Zentimeter, an der schmalsten weniger als einen Meter. Eingequetscht in eine Fuge zwischen zwei Wohnblöcken, ist das Keret House, eine leichte Stahlkonstruktion, die für eine Dauer von vier Jahren als temporäre Heimat für Autoren dient, zwar mehr Kunstinstallation und Experiment als wirkliches Wohnhaus. Doch was in Polens Hauptstadt die Lücke zur Baulücke macht, ist auch eine Lösung und Indiz für ein zeitspezifisches Problem: Europas Metropolen wachsen, gleichzeitig fehlt es an bezahlbarem Wohnraum in den Zentren.

Da für Massenwohnbau der Platz und in vielen Städten auch das Geld oder der politische Wille fehlt, heißt es, Wohnraum im Bestand zu finden – eben in Fugen, in Lücken oder auf Dächern. Die sogenannte Nachverdichtung ist eines der wichtigsten städtebaulichen Themen zur Zeit. Kein Wunder, dass sich das Festival „Architekturtage“ dieses Wochenende das Thema in sein Motto „Alt / Jetzt / Neu“ einverleibt haben.


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